Conrad-von-Soest-Gymnasium


 

Convos aktuell

Elektrisierendes Erlebnis

Elektrofischen im Amper Bach

Schülerinnen und Schüler der Bio- AG und des Projektkurses hatten ein besonderes Erlebnis am Amper Bach. Sie untersuchten zusammen mit Herrn Dr. Bernd Stemmer, Fischereidezernent der Bezirksregierung Arnsberg, Herrn Alfred Koll von der Stadt Soest und ihrem Biolehrer Ulrich Dellbrügger die Fischfauna des Amper Baches mit Hilfe der Methode des Elektrofischens. Elektrofischen darf nur von Personen durchgeführt werden, die eine zertifizierte Ausbildung nachgewiesen haben und es muss zudem von den zuständigen Fischereibehörden genehmigt werden. Nicht zu unterschätzen sind bei unsachgemäßer Ausübung auch die Gefahren für den Anwender.

Unter Elektrofischen versteht man das Fischen mit Gleichstrom, Wechselstrom wäre tödlich für die Fische und ist daher auch verboten. Der Strom wir d durch einen Akku erzeugt und an die beiden Elektroden gegeben. Die Kathode, ein Kupferdraht, bildet den Minuspol, wird hinter der fischenden Person ins Wasser geworfen und mitgezogen.

Die Anode (Fangelektrode meist Kescher) bildet den Pluspol. Zwischen diesen beiden Polen bildet sich im Wasser ein Gleichstromfeld, wobei der Effekt ausgenutzt wird, dass die Fische auf den Pluspol (Fangelektrode) zuschwimmen und betäubt werden und so ohne Probleme eingesammelt werden können. Die Fische werden nur kurzfristig betäubt, bestimmt, vermessen und danach sofort wieder ins Wasser geworfen.

Das Fangergebnis war außerordentlich erfreulich, wurden doch mit der Koppe (auch Groppe genannt), der Bachforelle und dem Dreistachligen Stichling die Charakterarten kühler, sauerstoffreicher und sauberer Bäche gefunden, die somit eine klare Aussage über die gute Wasserqualität des Amper Baches zulassen. Da zudem beispielsweise die heimische Bachforelle (nicht Regenbogenforelle!) in fast allen Größen gefangen wurde, war der Nachweis der Fortpflanzung im Amper Bach erbracht.

Zudem wurden jede Menge Bachflohkrebse gesichtet, die u.a. die Lebensgrundlage für die 3 Fischarten bilden.

Der Nachmittag war ein Riesenerlebnis für alle Beteiligten, da sie die Methode des Elektrofischens ausgeübt haben und dabei noch sehr gute Ergebnisse auswerten konnten. Die Schüler/innen erarbeiten zur Zeit ein Renaturierungskonzept für den Amper Bach, in das die Ergebnisse einfließen werden.

Allerdings wurden sie bei der Arbeit noch von einem Starkregen bis auf die Haut nass, so dass auch aus diesem Grund die Exkursion unvergesslich bleiben wird.


Eine kurze Charakteristik der gefundenen Arten:

Die Koppe bewohnt saubere, rasch fließende Bäche und kleinere Flüsse mit steinigem Grund, aber auch sommerkühle, sauerstoffreiche Seen. Sie ist ein Grundfisch, der sich tagsüber zwischen Steinen und Wasserpflanzen verbirgt. In der Dämmerung jagt sie Insektenlarven, Bachflohkrebsen und Fischbrut. Sie ist allerdings ein schlechter Schwimmer und hat keine Schwimmblase. Auf dem Bild sieht man die gespreizten Brustflossen, mit denen sie sich ruckartig über den Boden bewegen kann.

Bachforellen besiedeln schnell fließende, sauerstoffreiche, kühle und klare Gewässer mit Kies- oder Sandgrund in fast ganz Europa. Sie sind standorttreu und beanspruchen als erwachsene Tiere ein eigenes Revier, wobei sie tagsüber im Uferschatten verborgen ist und mit dem Kopf gegen die Strömung verharrt. Sie ernähren sich je nach Größe und Lebensraum vor allem von Insekten im Wasser lebenden Insektenlarven, kleinen Fischen wie der Koppe, kleineren Krebstieren sowie von Schnecken und anderen Wassertieren. Er steht auf der Liste der gefährdeten Arten in NRW.

Der Dreistachlige Stichling ist ein Süß- und Salzwasserbewohner, der sowohl in Stillgewässern, als auch Fließgewässern und eben im Brackwasser vorkommen kann. Er bevorzugt klares Wasser mit nicht zu starker Strömung und sandigem Untergrund und ernährt sich von kleinen Wirbellosen (z.B. Wasserinsekten, Kleinkrebse) und Fischbrut. In früheren Zeiten gab es große Schwärme des Stichlings im Amper Bach.

27.09.17



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