Conrad-von-Soest-Gymnasium


 

"Schule der Zukunft – Bildung für Nachhaltigkeit 2016 – 2020"

Abb.1: Lebensnahes Lernen mit politischen Folgen am Conrad-von-Soest-Gymnasium
Dalhoff, B., Dellbrügger, U. in Schulprogramm des Conrad von Soest Gymnasium 2006.

Abb. 2. Naturwissenschaftlicher Fünfschritt, Conrad von Soest Gymnasium
The Scientific Method. Quelle: Nicole Brinker, Soest, 2017.

Das Conrad von Soest Gymnasium ist von verschiedenen Seiten aufgefordert worden, sich an der aktuellen Kampagne der Landesregierung zu bewerben.

„Das Land NRW möchte dabei die Bildungseinrichtungen unterstützen, junge Menschen auf ein Leben als aktive Bürgerinnen und Bürger in einer globalen Welt vorzubereiten und ihnen die Kompetenzen zu vermitteln, die für eine zukunftsfähige Gestaltung ihres Lebens erforderlich sind. Zukunftsfähig bedeutet, eigene Lebensstile entsprechend der eigenen Werte und Bedürfnisse zu entwickeln und dabei gleichzeitig in Einklang mit dem Ziel eines “guten Lernens für alle“ zu handeln. National und international wird dabei dem Bildungskonzept Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) eine Schlüsselrolle für die Vermittlung der dafü nötigen Gestaltungskompetenz zugeschrieben.

Aus diesem Grund haben das Schulministerium und das Umweltministerium die Kampagne „Schule der Zukunft – Bildung zur Nachhaltigkeit“ gestartet, um Schulen zu motivieren und zu begleiten, BNE in den Schulalltag zu integrieren. Die Kampagne ist fester Bestandteil der Landesstrategie „Bildung für nachhaltige Entwicklung – Zukunft Lernen in NRW“. Mit ihr verfolgt die Landesregierung das Ziel einer breiten und tiefen Verankerung von BNE in allen Bereichen des Bildungswesens in NRW, orientiert am Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen. Angesichts weltweiter Verpflechtungen und Migrationsbewegungen kommen BNE und dem Globalen Lernen gerade in dieser Zeit eine besondere Bedeutung zu“. (Vorwort zur Kampagne der Bildungsministerin Sylvia Löhrmann und des Umweltministers Johannes Remmel 2012 -2017).

Weiter heißt es in der Einführung: „ BNE stärkt – auf der Grundlage von Demokratie und Menschenrechten – die Entwicklung von Problembewusstsein und systemischen Dnken. BNE verfolgt so den Anspruch, Menschen in die Lage zu versetzten, bei heutigen und zukünftigen Entscheidungen abzuschätzen, wie sich diese auf zukünftige Generationen sowie auf das Leben in NRW und in anderen Regionen der Welt auswirken können. Fähigkeiten, mögliche Lösungswege zu erarbeiten, werden ebenso gestärkt wie Fähigkeiten des politischen und alltagspraktischen Handelns. Dies bildet eine notwendige Voraussetzung, um die gesellschaftliche Transformation hin zu einer nachhaltigen Entwicklung partizipativ gestalten zu können.

Dabei sollen Bildungsprozesse so ausgerichtet werden, dass die Lernenden in ihrer Lebenswelt Handlungsoptionen erproben können – in ihren jeweiligen Rollen im sozialen Umfeld, in Schule und Weiterbildung, am Arbeitsplatz sowie als politische Bürgerinnen und Bürger.

BNE möchte zum „Gestaltungshandeln befähigen. Unter Gestaltungskompetenz wird im Sinne der UNESCO die Fähigkeit verstanden, sich Wissen über nachhaltige Entwicklung anzueignen und es anzuwenden sowie Probleme nicht nachhaltiger Entwicklung als auch die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten erkennen zu können. Verbreitete Definitionen von Gestaltungskompetenz bezeichnen diese als Summe von

  • Interdisziplinärem Herangehen, vorausschauendem und vernetztem Denken,

  • Der Fähigkeit zu Partizipation, Engagement und Solidarität,

  • Der Kompetenz zur interkulturellen wie interreligiösen Verständigung und Kooperation,

  • Der Fähigkeit, sich und andere motivieren zu können und

  • Der Kompetenz zur Reflexion über individuelle wie kulturelle Leitbilder.

Parallel zum Konzept der Gestaltungskompetenz hat das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung Einzug in viele pädagogische Handlungsfelder und wissenschaftliche Disziplinen gehalten. BNE ist immer auch politische Bildung.

  • In der Traditionslinie der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit steht heute das Globale Lernen mit dem Fokus auf global sozio- ökonomischen und ökologischen Zusammenhängen und intra- und intergenerationeller Gerechtigkeit.

  • In der Weiterentwicklung der Umweltbildung untersucht das ökologische Lernen die Beziehung zwischen Mensch und Natur und vermittelt Kenntnisse über ökologische Zusammenhänge und Fähigkeiten, diese umzusetzen.

  • Ökonomische Bildung zielt darauf ab, transparent zu machen, wie vielfältig Menschen in wirtschaftliches Handeln eingebunden sind und darauf, diese Verflechtungen zu reflektieren. In diesem Kontext vermittelt die Verbraucherbildung Kompetenzen zur Beurteilung des eigen Handelns, auch im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung.

  • Genauso tragen die kulturelle und interkulturelle Bildung, die Friedensbildung, die Gesundheits- und Medienbildung wichtige Aspekte in die Weiterentwicklung des Bildungskonzeptes BNE hinein.“

(aus Natur- und Umweltschutz- Akademie NRW,NUA: Landeskoordination der Kampagne

Schule der Zukunft – Bildung zur Nachhaltigkeit, Recklinghausen 2016)

Das Conrad von Soest Gymnasium nimmt an dieser Kampagne teil, hat die Schule doch schon seit Jahrzehnten Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt und in die pädagogische Praxis umgesetzt.

So firmieren einige Projekte unter:

Biologie als Ökologie mit politischen Folgen“ und

Diplomaten in Gummistiefeln“

Übernahme (umwelt)politischer Verantwortung und demokratische Teilhabe

Da wir versuchen, unsere Projekte an konkreten und aktuellen Problemlagen aufzuziehen, ist der damit implizierte innovative Charakter häufig integraler Bestandteil und somit zugleich auch Motivationsgeber und Motor des Schüler*innenengagements. Indem sie in Umweltfragen Alternativen entwickeln und diskutieren, nach konsensfähigen Lösungen suchen und schließlich demokratisch legitimierte Entscheidungen treffen müssen, fördern Ökologische Bildung und Umwelterziehung Kommunikationsfähigkeit, demokratisches Bewusstsein und die Fähigkeit zur politischen Teilhabe, vor allem wenn Schüler*innen zur Durchsetzung ihrer Verbesserungsvorschläge diese in politischen Gremien vorstellen und an deren Realisierung in Zusammenarbeit mit Ämtern und Behörden aktiv beteiligt sind (Lernen mit Ernstcharakter).

In diesem Sinne tragen Ökologische Bildung und Umwelterziehung zur (umwelt)politischen Bildung, zur Entwicklung eines Verantwortungsgefühls und zur Partitzipation am gesellschaftlichen Leben bei (vgl. Abb. 1).

Aus der Durchführung solcher Umweltprojekte wird neben dem Aspekt der nachhaltigen Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen grundsätzlich auch noch eine weitere Ebene deutlich, nämlich dass in solchen demokratiepädagogisch wirksamen Vorhaben Themen-, Praxis- und Handlungsbezug sowie deren Verankerung in institutionellen Bereichen miteinander verflochten sind. So werden in diesen Projekten Lerninhalte, die in Biologie, Chemie, Erdkunde, Geschichte und anderen Unterrichtsfächern zum fachunterrichtlichen Standardrepertoire gehören, in dreifacher Weise didaktisch kontextualisiert. Sie gewinnen dadurch die Qualität verständnisintensiven Lernens und werden zugleich für die Schulentwicklung wirksam. Dies erfolgt durch fachliche Kontextuierung, Handlungsbezug, aber auch durch eine schrittweise vergrößerte Öffentlichkeit, die in der Schule selbst beginnt und dann darüber hinaus in den kommunalen, regionalen und sogar in den internationalen Raum führt.

Ergebnisse dieser Arbeit mit Schüler*innen zeigen sich in der Schulentwicklung am Conrad von Soest Gymnasium, wo den Lernenden die Wissenschaftsorientierung und die politische Partizipation am Beispiel der pädagogischen Hand (Naturwissenschaftlicher Fünfschritt) in Abbildung 2 verdeutlicht wird.


Schema 1 :Die 5 Ebenen (Fünfschritt) konzeptioneller Pädagogik im MINT- Bereich am Conrad-von-Soest- Gymnasium (Pädagogik aus einer Hand)

  1. Kompetenzerwerb der Schüler/innen (Schule, außerschulische Lernorte)

  2. Erstellen von Schülerkonzepten (Projektbeschreibungen, „ökologische Gutachten“,…)

  3. Vorstellen der Projekte in der Öffentlichkeit (z.B. Rathaus, Ausschüsse, Presse, ….), Präsentationen und Diskurs

  4. Umsetzen von Schülerkonzepten (z. B. Renaturierungen, Revitalisierungen, Naturschutzzonen, NSG, Aufnahme in FNP und BP, Informationstafeln,…)

  5. Anwendungs- und Transferprozesse (Schulentwicklung, Transfer in und von Partnerschulen, Netzwerkarbeit auf europäischer Ebene)

Konkret zeigt sich das wieder an dem aktuellen Projekt “Der Amper Bach ist überall“, das die Schüler im Rahmen des Projektkurses Biologie durchführen und als Projekt für die Kampagne 2016-2020 eingereicht ist.

Aktuelle Projektbeschreibung für die Kampagne “Schule der Zukunft“

Der Projekttitel "Der Amper Bach ist überall" ist einer Veröffentlichung des Westermann- Verlages aus dem Jahr 1996 entnommen: Praxis Schule Heft 2 April 1996. Der Verlag hatte Untersuchungen der Biologie-AG des Conrad-von-Soest-Gymnasiums über Bachläufe zum Anlass genommen, mehrere Arbeitsblätter zu entwickeln und zu veröffentlichen. Der Amper Bach teilt das Schicksal der Begradigung vieler Bach- und Flussläufe in Deutschland. Die Schüler/innen hatten hierzu historische Karten ausgewertet und biologische und chemische Untersuchungen durchgeführt.

Seit über 30 Jahren lernen Schüler/innen "generationenübergreifend" in der Bio-AG. In der Regel beteiligen sich 12-20 SuS verschiedener Jahrgangsstufen an der Arbeitsgemeinschaft, wobei die Jüngeren von den Älteren lernen (und umgekehrt) und so die Projektbetreuungen über mehrere Schülergenerationen hinweg gesichert werden. Neben dem fachspezifischen Kompetenzerwerb, wobei der Erwerb ökologischer Kompetenzen und Beurteilungskriterien für Ökosysteme die Schwerpunkte bilden, steht die Umsetzung von Schülerarbeiten in Handlungskonzepte insbesondere als theoretische Konzepte für politisches Handeln im Vordergrund. Dabei geht es nicht um "Sandkastenspiele" sondern um konkrete Vorschläge für Veränderungen und Maßnahmen. Der Soester Anzeiger titelte daher zum 25-jährigen Bestehen der Arbeitsgemeinschaft "AG hat Soest verändert". "Für Projekte viele Preise erhalten - Soestbach renaturiert"

Im aktuellen Projekt geht es um die  praktische Durchführung der Renaturierung des Amper Baches, der Anfang März 2017 mit den ersten Baggerarbeiten auf Vorschlag der Bio-AG gestartet wurde.

Die Schüler/innen betreuen das Feuchtgebiet "Amper Bruch" in wechselnder Zusammensetzung in der Bio-AG und den Biologieprojektkursen in der Q1 seit 1989. Sie machten hierzu verschiedene Renaturierungsvorschläge, beginnend mit dem Projekt "Vom Schrottplatz zum Feuchtgebiet", das u.a. Sieger des Wettbewerbes "Jugend forscht" wurde und Vertreter der Bundesrepublik Deutschland beim Europawettbewerb "Europas Jugend forscht für die Umwelt" war. Seit dieser Zeit werden regelmäßige Untersuchungen und Projekte in dieser Naturschutzzone durchgeführt, u.a. Aufbau eines "Grünen Klassenzimmers", Errichtung eines Storchenmastes, Ausbaggerung und Sprengung von Teichen und Blänken, Errichtung eines Bienenlehrstandes in Kooperation mit dem Soest Imkerverein, Betreuung einer Streuobstwiese, Pflanzaktionen u.s.w. Eines dieser Projekte war die theoretische Konzeption für die Renaturierung des Amper Baches, das der Stadt Soest vorgelegt wurde. Am 6.März 2017 begannen nach Beauftragung durch die Stadt Soest und Rücksprachen mit der AG und dem Projektkurs Biologie, betroffenen Eigentümern und Pächtern die Baggerarbeiten. Schüler/innen der Bio- AG und des Projektkurses werden die Maßnahmen durch Untersuchungen zur Entwicklung der Fauna und Flora, der Wasserqualität, der Bodenstruktur und durch Bepflanzungsaktionen und Modellbauarbeiten begleiten.



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